Vom Fluchtreflex bis zum Burnout

 

Wenn von Stress in Zusammenhang mit Störungen des Wohlbefindens die Rede ist, dann handelt es sich um den sogenannten Distress. Das ist eine in unserer modernen Gesellschaft immer häufiger auftretende Reaktion auf persönliche Belastungen, wie Termin- und Leistungsdruck, finanzielle oder familiäre Probleme und berufliche Sorgen. Dahinter steht ein Millionen Jahre alter Schutzmechanismus, der in Gefahrensituationen einen Fluchttrieb aktiviert.

Vom Fluchtreflex bis zum Burnout

Unbehandelt kann diese Reaktion auf Dauer zu physischen und psychischen Erkrankungen führen. Zum Beispiel nimmt man an, dass es einen Zusammenhang mit der Entstehung von Depressionen gibt. Darüber hinaus kann es zu Bluthochdruck, Atherosklerose und degenerativen oder mentalen Erkrankungen sowie Infarkten kommen. Auch das Burnout-Syndrom ist eine häufige Folge von Dauerstress. Die Betroffenen klagen unter anderem über Energiemangel, chronische Müdigkeit, Schwächegefühl, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Konzentrationsmangel, Vergesslichkeit und sozialer Rückzug.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die stressbedingte gesundheitliche Beeinträchtigung zu behandeln oder ihnen vorzubeugen. Neben der Identifizierung und Ausschaltung der Stressursachen und der Schaffung von Stressausgleich durch Entspannung und Erholung kann man mit den Methoden der orthomolekularen Medizin auf den Mikronährstoffhaushalt einwirken und durch eine entsprechend dosierte Verabreichung von Nahrungsergänzungsmitteln schnell positive Resultate erzielen.

Übrigens ist Stress nicht grundsätzlich etwas Negatives. Es gibt auch Aktivierungsreaktionen, die von den Betroffenen positiv wahrgenommen werden (Eustress) und für die Gesundheit förderlich sind, zum Beispiel bei Hochzeiten, Geburten und anderen schönen Erlebnissen.

Positive und negative Stressreaktionen sind ein unvermeidlicher Bestandteil des Lebens. Ein bewusster und entspannter Umgang damit ist daher eine zur Erhaltung des Wohlbefindens sinnvolle Haltung.

 

Literatur Quellen

  • Karstädts, U.: Die Säure des Lebens. TAS-Verlag.
  • Raben, R.: Stress, Angst und Trauma – wie hilft das BADA-Protokoll. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur 60. 1/2017. S. 34 ff.

Metallinduzierte Entzündungsreaktionen

 

Unter Wissenschaftlern wird derzeit intensiv diskutiert, ob die auffällige Zunahme von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Atherosklerose, Diabetes, rheumatoider Arthritis und Depressionen mit negativen Auswirkungen von Umweltbelastungen auf den Organismus in Zusammenhang zu bringen ist. Insbesondere Metallen aus Industrieemissionen, belasteten Lebensmitteln oder Zahnersatzmaterialien kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Teilweise sind die auftretenden Beschwerden auf allergische Reaktionen zurückzuführen, die sich durch den sogenannten Lymphozytentransformationstest (LTT) nachweisen lassen. Es gibt aber auch Studien, die toxikologische (vergiftende) Wirkungen bei nicht allergisch sensibilisierten Patienten belegen.

Metallinduzierte Entzündungsreaktionen

Nachweislich aktivieren Metallbelastungen das Immunsystem. So gibt es zum Beispiel Zusammenhänge zwischen dem Aluminium-, Quecksilber- oder Kobaltspiegel im Blut und dem Auftreten von Entzündungen. Hohe Metallkonzentrationen im Speichel (etwa durch Zahnersatz und Zahnpflegeprodukte) oder in der Nahrung können zur Schädigung der Darmschleimhaut und zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand führen, wodurch mehr Metallen aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen. Die Folge sind zum Beispiel Gastritis oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Viele Metalle erzeugen zudem oxidativen Stress, der freie Radikale freisetzt und damit die Zellstrukturen angreift.

Einige Metalle sind auch indirekt für den Organismus schädlich, indem sie essenzielle Mineralstoffe aus metallabhängigen Enzymen verdrängen. Dies ist zum Beispiel bei Cadmiumbelastung der Fall, durch die im ungünstigsten Fall die Sterblichkeit bei Krebserkrankungen steigen kann.

Nachweisen lassen sich Metallbelastungen über Blut oder Urin, aber nur über den Speichel lassen sich auch genau die verursachenden Metalle erkennen. Dabei sind der Zeitpunkt und die Methode der Speichelabgabe entscheidend für den Nachweis unterschiedlicher möglicher Ursachen. Durch den morgens unmittelbar nach dem Aufstehen entnommenen Speichel kann man die Korrosion von NEM- und abriebfesten Goldlegierungen erkennen. Der Speichel nach Kaugummikauen lässt Rückschlüsse auf weichere Legierungen, wie Biogold oder Amalgam) zu. In der Praxis werden meist beide Methoden kombiniert.

Für den Nachweis über den Urin wird vor allem von Umweltmedizinern die Multielement-Analyse bevorzugt. Dabei wird der Urin nach Verabreichung von Chelat-Bildnern, wie DMPS, DMSA oder EDTA, untersucht. Die Ergebnisse lassen die Gesamtbelastung des Organismus erkennen. Vorteil dieser Methode ist, dass mit der Diagnostik zugleich auch eine Ausleitung erfolgt.

Literatur Quellen:

Calderón-Garciduenas et al.: Air Pollution and Children. Neural and Tight Junction Antibodies and Combustion Metals, the Role of Barrier Breakdown and Brain Immunity in Neurodegeneration. J Alzheimer’s Disease 2014 Aug 21.

Elshahawy et al.: Elemental ion release from fixed restorative materials into patient saliva. J Oral Rehabil 2013 (92). S. 381-388.

Guo et al.: The relationship of plasma aluminum to oxidant-antioxidant and inflammation status in asthma patients. Environ Toxicol Pharmacol 2013 (35). S. 30-38.

Huesker, K.: Metallinduzierte Entzündungsreaktionen. zaen magazin 2016 (3). S. 18-22.

Lawrence et al.: The immunobiology of cobalt: demonstration of a potential aetiology for inflammatory pseudotumors after metal-on-metal replacement of the hip. Bone Joint J 2014 (96). S. 1172-1177.

Lin et al.: Increased risk of cancer mortality associated with cadmium exposures in older Americans with low zinc intake. J Toxocol Environ Health A 2013 (76). S. 1-15.

Nierdermeier: Biologie und Zahnersatz. Rheinisches Zahnärzteblatt 2013 (11). S. 601-604.

Wieloch etc al.: Do toxic heavy metals affect antioxidant defence mechanisms in humans? Ecotoxicology and Environmental Safety 2013 (78). S. 195.

Darm-Hirn-Achse

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen den Zusammenhang zwischen der Darmflora und dem Gehirn. Beide stehen über die sogenannte „Darm-Hirn-Achse“ miteinander in Verbindung, sodass Signale aus dem Darm auch an wichtigen Steuerungsprozessen des Organismus beteiligt sind. Sie wirken sich zum Beispiel auf die Stimmung, die Gefühle, die kognitiven Prozesse und den Appetit des Menschen aus und können auch zu Stressanfälligkeit führen.

Verbindung zwischen Bauch und Kopf

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen den Zusammenhang zwischen der Darmflora und dem Gehirn. Beide stehen über die sogenannte „Darm-Hirn-Achse“ miteinander in Verbindung, sodass Signale aus dem Darm auch an wichtigen Steuerungsprozessen des Organismus beteiligt sind. Sie wirken sich zum Beispiel auf die Stimmung, die Gefühle, die kognitiven Prozesse und den Appetit des Menschen aus und können auch zu Stressanfälligkeit führen.

Stress ist eine natürliche Reaktion auf Gefahrensituationen, die einen Fluchtreflex auslöst. Um der Skelettmuskulatur dafür sofort Energie zur Verfügung stellen zu können, wird die Durchblutung des Darms gehemmt. Bei Dauerstress kommt es dadurch zu entzündlichen Prozessen und einer Störung der Darmflora. Der Darm sendet dann ein permanentes internes Stress-Signal an das Gehirn.

Die Verabreichung von probiotische Bakterienkulturen ist eine effektive und anerkannte Methode, die die Ursachen der Stess-Signale zu behandeln. Sie wird in der ganzheitlichen Medizin schon seit langem erfolgreich zur Behandlung von Magen-Darm- und Immunstörungen eingesetzt. In einer Reihe von evidenzbasierten klinischen Studien konnte ihr Einfluss auf die Psyche und die Gehirntätigkeit sowie die subjektiv empfundene Stressbelastung nachgewiesen werden.

Literatur Quellen

Anderson, U., Tracey, K. J.: Neural Reflexes in inflammation and immunity. J Exp Med. 2012, 209 (6). S. 1057-1068.
Bercik, P.: The microbiota-gut-brain axis: learning from intestinal bacteria? Gut 2011, 60 (39). S. 288-289.
Collins, S. M., Surette, M., Bercik, P.: The interplay between enteric microbiota and the brain. Nat Rev Microbiol 2012 10 (11). S. 735-742.
Dapoigny, M., Ducrotte, P. et al.: Efficacy and safety profile of LCR35 complete freeze-dried culture in irritable bowel syndrome: a randomized, double-blind study. World J Gastroenterol 2012, 18 (17). S. 2067-2075.
Dinan, T.-G., Stanton, C., Cryan, J.-F.: Psychobiotics: a novel class of psychotropic. Biol. Psychiatry 2013, 74 (10). S. 720-726.
Dinan, T.-G., Stilling, R.-M., Stanton, C., Cryan, J.-F.: Collective unconscious: How gut microbes shape human behavior. J Psychiatr Res. 2015 (63). S. 1-9
Grenham, S., Clarke, G., Cryan, J.-F., Dinan, T.-G.: Brain-gut-microbe communication in health and disease. Front Physiol 2011. S. 94
Kageyama, K., Kagaya, S., Takayasu, S., Hanada, K., Iwasaki, Y., Suda, T.: Cytokines induce NF-kB, Nurr1 and corticotropin-releasing factor gene transcription in hypothalamic 4B cells. Neuroimmunomodulation 2010, 17 (5). S. 305-313.
O’Mahony, L., McCarthy, J., Kelly, P. et al.: Lactobacillus and bifidobacterium in irritable bowel syndrome: symptom responses and relationship to cytokine profiles. Gastroenterology 2005, 128 (3). S. 541-551.
Rao, A.-V., Bested, A.-C., Beaulne, T. M. et al.: A randomized, double blind, placebo controlled pilot study of a probiotic in emotional symptoms of chronic fatigue syndrome. Gut Pathog 2009, 19. S. 6.

 

 

Applied Kinesiologie – Manuelle Muskeltestdiagnostik

Applied Kinesiology ist eine ganzheitliche Diagnostik– und Therapie-Methode, die mithilfe von manuellen Muskeltests Fehlfunktionen des Bewegungsapparats, des Stoffwechsels und der Psyche sowie die dafür ursächlichen Zusammenhänge ermitteln kann.

Geschichte der Applied Kinesiology

In den 1960er-Jahren entdeckte der amerikanische Chiropraktiker George Goodheart (DC), dass man anhand von Muskeltests herausfinden kann, wie ein Patient auf gesundheitliche Belastungen reagiert (z. B. auf toxische Substanzen, Fehlstatik oder psychischen Stress) und dass es auch möglich ist, die geeignete Therapie auf diese Weise zu ermitteln. Er führte seine Erkenntnis mit anderen Methoden, wie der Chiropraktik, der Akupunktur, der Osteopathie und der Orthomolekularmedizin, zusammen und schuf damit ein ganzheitlich integratives Diagnose- und Therapiesystem.

 Balance im Gesundheitsdreieck

Für die Applied Kinesiology wurde das Modell des „Triad of Health“ (Dreieck der Gesundheit) von Palmer übernommen, das auf dem Zusammenwirken von Struktur (Bewegungsapparat), Chemie (Stoffwechsel) und Psyche des Patienten basiert. Stehen die Seiten dieses Dreiecks in einem ausgewogenen Verhältnis, ist der Mensch gesund, sind sie unterschiedlich ausgeprägt, liegt eine Dysbalance und damit eine Störung vor.

Interdisziplinäre Perspektive

Da im Dreieck der Gesundheit ganz unterschiedliche gesundheitliche Aspekte berücksichtigt werden, setzt die Anwendung von Applied Kinesiology voraus, dass der Therapeut in der Lage ist, in allen medizinischen Disziplinen Diagnosen zu stellen, um den Patienten dann gegebenenfalls an einen entsprechend spezialisierten Kollegen zur Behandlung zu überweisen. Die Ausbildung am International College of Applied Kinesiology (ICAK) setzt deshalb einen bereits vorhandenen medizinischen Abschluss voraus und ist damit Ärzten, Zahnärzten, Chiropraktoren, Physiotherapeuten, Heilpraktikern etc. vorbehalten.

 Beispiele für das Zusammenspiel von Symptom und Ursache

  • Wiederkehrende Gelenkbeschwerden können von Fußfehlstellungen, Zahnstörfeldern, Bissfehlstellungen, alten Traumata etc. verursacht werden.
  • Rückenschmerzen entstehen möglicherweise durch Operationsnarben, funktionelle Magen-Darm-Störungen oder Schädel-Kiefer-Dyslokationen.
  • Unklare Bauchbeschwerden können unter anderen an Darm Dysbiosen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Narbenstörfeldern liegen.
  • Chronische Infektionen können im Zusammenhang mit Zahnstörfeldern, Impfnarben, Schwermetallbelastungen etc. stehen.
  • Kopfschmerzsyndrome können Ursachen wie alte Traumata, Histaminunverträglichkeiten, Schädel-Kiefer-Dysfunktionen oder Schwermetallbelastungen haben.

 Applied Kinesiology und Schulmedizin

Während die Schulmedizin vor allem manifeste klinische Erkrankungen erkennen kann, ist es die Stärke der Applied Kinesiology, auch feine Abstufungen von Gesundheitsstörungen zu erkennen, die Auslöser für rund 70 Prozent aller Arztbesuche sind. So kann der Therapeut Gesundheitsstörungen besser erkennen und nachhaltiger therapieren. Dabei wird der Organismus als vernetztes Ganzes betrachtet.

Applied Kinesiology betrachtet Gesundheitsstörungen als Prozess, nicht als Zustand. Die Diagnose „Kopfschmerz“ etwa beschreibt einen Zustand, ein Symptom, das aber letztlich durch eine Kiefergelenkstörung, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Fusionsstörung der Augen ausgelöst worden sein kann. Es gilt, die eigentliche Ursache hinter dem Symptom zu finden sowie den zur Gesundheitsstörung führenden Prozess zu erfassen und zu korrigieren.

Die in der Applied Kinesiology angewendeten Muskeltests sind eine funktionell neurologische Untersuchung. Je nach Erfordernis werden sie in das geeignete medizinische Diagnosesystem integriert und bilden damit eine sinnvolle Ergänzung zu Befragungen, körperlichen Untersuchungen, Labor und technischen Diagnostikverfahren (z. B. CT und MRT).

Eustress und Dystress

Eine wichtige Grundlage der Applied Kinesiology ist das Stresskonzept nach Selye. Dort werden zwei Stressformen unterschieden: Eustress und Dystress. Beide braucht der Organismus, um überleben zu können. Eustress sind strukturelle, chemische oder psychische Reize, die förderlich sind, z. B. regelmäßige sportliche Betätigung, gesunde Ernährung oder soziale Kontakte. Dystress hingegen sind ebensolche Reize, die jedoch der Gesundheit schaden, etwa durch Fehl- und Überbelastungen des Körpers, durch Unfälle und Traumata, durch ungesunde Ernährung und Umweltgifte oder Mobbing am Arbeitsplatz.

Die Applied Kinesiology hat das Ziel, Dystress ausfindig zu machen, zu reduzieren und mit Eustress zu therapieren.

Typische Stress-assoziierte Probleme nach Selye sind:

  • wiederkehrende Infekte
  • Allergien und Heuschnupfen
  • Magen- und Verdauungsbeschwerden
  • Schlafstörungen, Gereiztheit, Unlust und andere psychische Symptome
  • Konzentrationsschwäche
  • Müdigkeit, depressive Verstimmungen
  • Zittern, nervöse Ticks, Stottern
  • nächtliches Zähneknirschen mit morgendlichen Kiefergelenk-, Kopf- und anderen strukturellen Beschwerden
  • häufiger Harndrang
  • Migräne, prämenstruelle Beschwerden
  • Nacken- und Kreuzschmerzen ohne vorangegangene Traumata
  • zu wenig oder zu viel Appetit
  • verstärktes Verlangen nach Nikotin, Alkohol, Kaffee oder sonstigen Drogen

Muskeltests

Grundlage der Applied Kinesiology sind spezifische Muskeltests, mit denen sich sowohl schadende oder belastende als auch fördernde Faktoren ermitteln lassen.

Nach einer vorausgehenden Anamnese untersucht der Therapeut manuell die Reaktion verschiedener Muskeln, die erfahrungsgemäß in Zusammenhang mit den Beschwerden stehen. Anschließend werden die entsprechenden Muskeln mit einer spezifischen diagnostischen Provokation (Challenge) erneut getestet. Die Challenge kann struktureller, chemischer oder emotionaler Natur sein. Aus der Veränderung der Muskelreaktionen zwischen beiden Testphasen lässt sich eine Diagnose ableiten. Ob eine bestimmte Therapie Erfolg verspricht, kann man schon vorab daran erkennen, wie der Muskel auf die Konfrontation mit ihrer möglichen Anwendung reagiert.

Bei den Muskeltests drückt der Patient mit maximaler Kraft gegen den Widerstand des Therapeuten, der dann den Druck seinerseits geringfügig um zwei bis vier Prozent erhöht. Kann der Patient dieser zusätzlichen Kraft nicht ausreichend stark widerstehen, ist der Muskel schwach. Hält er dem Druck stand, reagiert aber physiologisch auf schwächende (sedierende) Maßnahmen, ist er normoton (normal). Wenn der Muskel trotz sedierender Maßnahmen stark bleibt, ist er hyperton (zu stark). Auch dies ist eine Dysbalance. Nur im normalen Zustand lassen sich die Muskeltests durchführen.

Untersuchung potenziell schadender Faktoren (Beispiel)

Der gerade Oberschenkelmuskel ist dem Dünndarm zugeordnet. Er eignet sich z. B. für einen Nahrungsmitteltest, weil sich Unverträglichkeitsreaktionen potenziell an den Schleimhäuten des Magen-Darm-Trakts manifestieren. Zunächst wird getestet, ob der Muskel normoton ist und sich für den Muskelreaktionstest eignet. Danach nimmt der Patient das zu testende Lebensmittel in den Mund. Verändert sich die Muskelstärke nicht, ist die Challenge negativ und das Lebensmittel damit für den Patienten verträglich. Wird der Muskel schwächer oder reagiert er hyperton, ist die Challenge positiv und das Lebensmittel unverträglich.

 Untersuchung potenziell fördernder Faktoren (Beispiel)

Soll geprüft werden, ob ein infrage kommendes Medikament bei dem Patienten wirkt, kann z. B. der Deltamuskel der Schulter getestet werden, der der Lunge zugeordnet ist. Zunächst wird getestet, ob der Muskel normoton ist und sich für den Muskelreaktionstest eignet. Ist dies der Fall, nimmt der Patient das Medikament in den Mund und der Therapeut testet die Veränderung in der Muskelreaktion. Findet keine Veränderung statt, ist die Challenge negativ und das Medikament wirksam. Wird der Muskel schwächer oder noch stärker, ist es unwirksam. Die Veränderung hält nur solange an, wie das Medikament im Mund behalten wird. Eine nachhaltige gesundheitliche Verbesserung setzt natürlich eine ausreichend lange Einnahme voraus.

 Indikationen

Allgemeinmedizin

Orthopädie, Neurologie

  • Arthrose
  • Bandscheibenvorfall
  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Skoliose
  • Sportverletzungen
  • Bandscheibenvorfall

Gynäkologie, Urologie

  • hormonelle Störungen
  • Inkontinenz
  • Menstruationsstörungen
  • Prämenstruelles Syndrom
  • Prostatabeschwerden

Zahnmedizin, Kieferorthopädie

  • Anpassung kieferorthopädischer Apparaturen
  • Herd- und Störfelddiagnostik
  • Lern- und Konzentrationsstörungen
  • Schmerzsyndrome durch Fehlbiss
  • Testung von Zahnersatzmaterialien

Quellen

  • Deutsche Ärztegesellschaft für Applied Kinesiology (DÄGAK): www.daegak.de und Informationsbroschüre.
  • Garten, Hans: Lehrbuch Applied Kinesiology. Muskelfunktion, Dysfunktionen, Therapie. Urban & Fischer Verlag, München 2004. S. 3-4.
  • Garten, Hans und Weiss, Gerald: Systemische Störungen – Problemfälle lösen mit Applied Kinesiology. Urban & Fischer Verlag, München 2007.
  • Garten, Hans: Das Muskeltestbuch. Funktion – Triggerpunkte – Akupunktur. Urban & Fischer Verlag, München 2008.
  • Garten, Hans: Applied Kinesiology. Funktionelle Myodiagnostik in Osteopathe und Chirotherapie. Urban & Fischer Verlag, München 2016.

Sauerstoff-Ozon-Therapie

 

Die Sauerstoff-Ozon-Therapie ist ein seit vielen Jahren bewährtes und gut verträgliches Naturheilverfahren, bei dem eine Mischung aus Sauerstoff und dem für seine keimabtötende und regulierende Wirkung bekannten Ozon eingesetzt wird. Die Anwendung kann je nach Bedarf äußerlich oder innerlich erfolgen.

Geschichte der Sauerstoff-Ozon-Therapien

Der Chemiker und Physiker Christian Friedrich Schönbein entdeckte 1839 bei Experimenten, dass bei der elektrischen Entladung von Sauerstoff ein Gas frei wird, das er „Ozon“ nannte. 1857 gelang es Werner von Siemens, das Gas in der von ihm erfundenen Ozonröhre auf einfache Weise in größeren Mengen zu erzeugen. Die ausgeprägten Bakteriziden Eigenschaften von Ozon wurden 1891 von Labbe und Oudin, Bontemps und Pfannenstill entdeckt. Während des ersten Weltkriegs setzte der Arzt A. Wolff Ozon erstmals erfolgreich zur diabetische Wundversorgung ein. 1935 wurde die Sauerstoff-Ozon-Therapie am Leipziger Universitätsklinikum in der Chirurgie und der Urologie eingeführt. Da es zu dieser Zeit noch keine ozonfesten Kunststoffe gab, war die Anwendung noch kompliziert und aufwendig. Mit der Entwicklung entsprechender Materialien hat sich auch die Ozontherapie weiterverbreitet und wird aufgrund ihrer vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten heute als komplementärmedizinische Alternative eingesetzt, unter anderem bei der Behandlung von diabetischen Geschwüren, Schuppenflechte, Psoriasis, Durchblutungsstörungen und viralen Erkrankungen.

Sauerstoff und Ozon

Sauerstoff (O2) ist lebenswichtig. Das geruchs- und geschmackslose, unsichtbare Gas kommt in der Luft sowie in gebundenem Zustand auch im Wasser vor. Außerdem ist es in Oxiden, Karbonaten und Silikaten enthalten. Die Luft, die wir einatmen, enthält 21 % Sauerstoff. Nur etwa ein Viertel davon werden vom Organismus auch verwertet, der Rest wird wieder ausgeatmet.

Ozon (O3) ist ein instabiles Molekül, das aus drei aus drei Sauerstoffatomen besteht. Gasförmig ist es farblos und hat einen charakteristischen Geruch. Bei -111,9° wird es flüssig und nimmt eine blaue Farbe an. Bei -192,5° wird es zu einem schwarzen Kristall. Ozon kommt in der Atmosphäre vor und wird durch Sonnenstrahlung, UV-Strahlung oder Blitzschlag gebildet. Es ist ein natürlicher UV-Schutz, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre.

Wirkungsweise

Therapeutisch verabreicht, verbessert eine Sauerstoff-Therapie die Durchblutung und damit die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff. Zudem wirkt sie förderlich auf den Stoffwechsel ein und unterstützt so das Immunsystem sowie die körperliche Leistungsfähigkeit.

Eine Ozon-Therapie kann auf sehr unterschiedliche Weise wirken. Lokal und hoch dosiert angewendet, wirkt es aufgrund seiner Oxidationskraft keimtötend gegen Pilze, Viren und Bakterien. In niedriger Konzentration wirkt es granulationsfördernd auf das Gewebe. Ozon eignet sich dadurch besonders zur Behandlung von infizierten oder schlecht heilenden Wunden. Als systemische Therapie wird Ozon generell in niedriger Dosierung eingesetzt und löst regulative Prozesse zur Stärkung der Selbstheilungskräfte des Organismus aus. Es verbessert die Durchblutung, wirkt lipidsenkend und baut nachweislich freie Fettsäuren, Cholesterin und Cholesterinester ab.

Anwendungsmöglichkeiten

Zur Therapie wird ein spezielles medizinisches Sauerstoff-Ozon-Gemisch eingesetzt. Eine Behandlung mit Ozon kann je nach Bedarf zum Beispiel als Eigenbluttherapie, als Wundbegasung, als Injektion, rectal, in Ästetik als natürliches Anti-Aging für die Haut oder durch Verabreichung von Ozonwasser erfolgen.

Eigenbluttherapie

Das Entnehmen und Reinjizieren von Blut löst eine Aktivierung des Stoffwechsels aus, die sich auf den gesamten Organismus erstreckt. So lässt sich zum Beispiel bei akuten und chronischen Infekten eine Abwehrstabilisierung oder bei Allergien eine Immunmodulation erzielen. Da Sauerstoff ein zentrales Element im Stoffwechsel ist bietet sich die Kombination der Eigenbluttherapie mit einer Sauerstoff-Ozon-Therapie in vielen Fällen an. Im Blut zerfällt das Ozon zu hochkonzentriertem Sauerstoff (O2), der sofort an die Erythrozyten (Träger des Stauerstoffs im Organismus) weitergegeben wird. Dadurch werden selbst die Körperzellen erreicht, die krankheitsbedingt nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurden. Sauerstoffunterversorgung führt zu einer Sauerstoffverarmung des Gewebes, was viele Mediziner als eigentliche Ursache vieler Zivilisationskrankheiten betrachten. Alle chronischen Schmerzen und Krankheiten werden letztlich durch einen Sauerstoffmangel auf Zellebene verursacht. Durch die Reinjizierung von mit Sauerstoff und Ozon angereichertem Eigenblut kann man dem entgegenwirken. Bei der kleinen Ozon-Eigenbluttherapie (KEB) wird das Gemisch mit einer Spritze intramuskulär verabreicht, bei der großen (GEB) intravenös. Die hyperbare Ozon-Eigenbluttherapie ist eine Variante der GEB, bei der das Blut mittels Vakuumpumpe mehrmals abgenommen, ozonisiert und reinjiziert wird.

Wundbegasung

Bei der Begasung von Psoriasis, Schuppenflechte, diabetische Wunden, Abszessen, Ekzemen oder oberflächlichen Tumoren mit Ozon wird der betroffene Körperteil in einen sterilen Beutel gesteckt. Während die Luft daraus abgesaugt wird, strömt zeitgleich ein Sauerstoff-Ozon-Gemisch in den Beutel, das je nach Dosierung keimtötend oder granulationsfördernd wirkt.

Injektion

Je nach Symptomatik kann die Injektion des Sauerstoff-Ozon-Gemischs in die Haut (z. B. bei Arthrosen, Gicht, Rheuma, Bandscheibenvorfall) unter die Haut (z. B. in Ästetik als natürliches Anti-Aging für die Haut, bei peripheren Durchblutungsstörungen, Migräne, Ateminsuffizienz)  oder intramuskulär (z. B. bei Stoffwechselstörungen und geriatrischen Erschöpfungszuständen) erfolgen.

Rektale Ozon-Insufflation

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarm, Morbus Crohn, Colitis ulserosa, Immundysbalancen oder Neurodermitis, Schuppenflechte, Psoriasis lässt sich Ozon als systemische Therapie auch rektal verabreichen.

Ozonwasser, ozonisiertes Olivenöl

Diabetische Wunden, Psoriasis, Schuppenflechte, Neurodermitis, der Mundraum oder andere Körperöffnungen lassen sich auch mit Wasser spülen, das mit Ozon angereichert wurde. Ozonisiertes Olivenöl lässt sich zur wirksamen Reinigung und Desinfektion von Wunden einsetzen.

 

 

 

 

 

Kommentar von Olga Beckmann

 

Evidenzbasierte klinische Studien belegen, dass Ozon die Bakterien, Pilze und Viren abtötet und eine entzündungshemmende, immunstimulierende Wirkung hat.  Ich konnte feststellen, dass die Sauerstoff-Ozon-Therapie in vielen Fällen tatsächlich ein sehr effektives Verfahren ist und selbst bei Krebspatienten als schonende Ergänzung zu konventionellen Therapien erfolgreich eingesetzt werden kann.

Quellen

  • Dehmlow, R. (Hrsg.): Sauerstoff-Ozon-Therapien. Urban & Fischer Verlag, München 2008.
  • Viebahn-Hänsler, R., Fernandez, O. und Fahmy, Z.: Ozone in Medicine: Clinical Evaluation and Evidence Classification of the Systemic Ozone Application, Major Autohemotherapy and Rectal Insufflation, According to the Requirements for Evidence-Based Medicine. In: Science & Engineering 2016, Vol. 38, No. 5, S. 322-345.

Schwermetallausleitung, Chelat Therapie

Die Entgiftung, Metallausleitung (Chelat) -Therapie ist eine seit über 60 Jahren weltweit bewährte Methode zur Ausleitung von Metallen aus dem menschlichen Körper. Chelate sind chemische Verbindungen, wie Na-EDTA, Ca-Na-Mg-EDTA, DMPS, DMSA oder Zink-DTPA.

Geschichte

Die Entfgiftung -Therapie wurde um 1950 in den USA ursprünglich zur Behandlung von Bleivergiftungen entwickelt. Bis 1966 galt sie dort zudem auch als Standardtherapie bei Durchblutungsstörungen des Herzens, bevor sie ab 1967 von den dafür aufkommenden Bypass-Operationen verdrängt wurde.

Die Herzchirurgie verspricht zwar schnelle Erfolge, ist aber auch sehr teuer, sodass sich im Lauf der Zeit immer mehr Amerikaner wieder für die kostengünstige und sichere Entgiftung – Chelat-Therapie entschieden. In Deutschland wurde die Methode 1983 eingeführt.

2012 bestätigte eine groß angelegte wissenschaftliche Studie in den USA schließlich die Erfolge der Erfahrungsmedizin. Heute gilt damit als erwiesen, dass durch eine Metallausleitung mithilfe der Chelat-Methode viele Herzoperationen vermieden werden können.

Ob aus Amalgam, Seefisch oder den Umweltbelastungen der modernen Industriegesellschaft – akute Metallvergiftungen sind in Deutschland eher selten, chronische Metallvergiftungen jedoch die Regel.

Sie stören oder blockieren die Fermentsysteme des Körpers und sind so Ursache für eine Vielzahl schwerwiegender Erkrankungen.

Bis in die 1990-er Jahre war das Einatmen der Abgase von verbleitem Benzin eine Hauptquelle von Blei. Da sich das Blei bei vielen Menschen im Körper abgelagert hat, lässt es sich auch jetzt noch in großen Mengen bei Patienten nachweisen.

Heute gelangen die Schwermetalle, abgesehen von denen im Zigarettenrauch, hauptsächlich über die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes in unseren Körper.

Zur gesteigerten Aufnahme kommt es, wenn zusätzlich die Darm-Schleimhaut-Barriere gestört ist, wie bei: Wiederholten Antibotika-Gaben, Leaky gut-Syndrom, Glutaminmangel, Darminfektionen und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn oder durch Nahrungsmittelallergien.

Quellen von Schwermetallen:

  • Zigarettenrauch: Kadmium und Nickel

  • Schokolade: Nickel

  • Trinkwasser: Kupfer (Blei heute eher selten)

  • Fisch: Quecksilber

  • Kaugummi kauen: Wenn Amalgamfüllungen vorhanden: Quecksilber

  • Hühnereier, Geflügel, Süßwasserfische (aus Aquakulturen): Quecksilber durch Fischmehlfütterung

  • Gemüse: Kupfer, Blei, Cadmium, Chrom, Nickel, Zink

  • Durch Düngung mit Gülle, lt. Presseinformation des Umweltbundesamtes 2004: „ Zu viele Schwermetalle in der Gülle“

  • Fleisch: Über Futtermittel von güllegedüngten Feldern

So nahezu unendlich vielschichtig unsere moderne Industriegesellschaft ist, so sind auch die möglichen Quellen von potentiell toxischen Metallen nahezu unbegrenzt. Immer mal wieder greift die Presse einzelne Befunde auf, wie sie in den vergangenen Jahren zu lesen waren: Blei aus Kaffeemaschinen, Uran im Trinkwasser, Antimon in PET-Flaschen, Uran und Arsen im Mineralwasser usw. usw.

Aber auch in der Medizin finden Metalle Anwendung, die dem Körper schaden können, wie Titan in Tablettenummantelungen, Gadolinium in Kontrastmitteln, Platin in Chemotherapeutika oder Paladium in vermeintlich „unbedenklichen“ Goldlegierungen.

Der menschliche Körper hat nur ein System von Entgiftungsenzymen für alle Schadstoffe.

Kommt es über längere Zeit zu einseitigen Belastungen, z.B. durch Blei aus Autoabgasen oder Quecksilber aus Amalgamfüllungen, wird das Entgiftungssystem chronisch überfordert. Es bleiben Giftstoffe im Körper zurück. So können sich, mit anderen Metallen, die in nur kleinen Konzentrationen aufgenommen werden, im Körper ansammeln.

Andererseits können auch kleine Mengen einzelner Metalle in ihrer Summe das Entgiftungssystem überlasten. Zwar mögen die Grenzwerte in Nahrungsmitteln im Einzelnen eingehalten sein. Die permanente Aufnahme der Vielzahl verschiedener belasteter Nahrungsmittel mit unterschiedlichsten Metallen ist jedoch ein Problem, das in seinen Dimensionen gerade erst erkannt wird.

Eine weitere große Rolle spielen genetische Faktoren. Bei nahezu jedem 2. Deutschen sind bei genetischen Untersuchungen Abweichungen vom Idealzustand der körpereigenen Entgiftungsenzyme festzustellen. Es können verschiedene Enzyme eine mangelhafte Funktion aufweisen oder sogar fehlen. Die Entgiftungsfähigkeit ist dann bei dem Einzelnen mehr oder weniger stark eingeschränkt, je nachdem, wie viele Enzyme bei ihm von von der Norm abweichenden genetischen Varianten betroffen sind. So kommt es, dass von dmn Einen eine Schwermetallmenge noch problemlos toleriert wird, die bei einem Anderen bereits zu schweren Krankheitszeichen führt.

Die Bedeutung von einigen Metallen als krankmachende Faktoren ist durch zahlreiche Studien erwiesen worden. Insbesondere Blei, Cadmium und Quecksilber können schon in relativ geringen Konzentrationen das Risiko für Autoimmunerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt, Rheuma, Krebs, und neurologische Erkrankungen (Multiple Sklerose…) lebensgefährlich erhöhen. Andere Metalle sind für die Gesundheit des Menschen hingegen unverzichtbar. Dazu zählt auch Eisen, das im Übermaß allerdings die Gefäßverkalkung (Atherosklerose) fördert und dadurch zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann.

Folgen der Schwermetallbelastung sind:

  • Schädigung der Mitochondrien (Störung der Energiegewinnung in den Zellen)

  • Fehlerhafte Zellreparatur (Störungen im Enzymsystem der Zellen, Zellentartung, Krebs)

  • Störungen des Immunsystems

  • Metallallergien

  • Störungen der Zellkommunikation (Störung des Grundsystems)

  • Bildung freier Radikale

Die negative Auswirkungen der Bildung freier Radikale, der Störung des Zellstoffwechsels, der Schädigungen des Immunsystems, der Beeinträchtigung der Grundregulation und möglicher Metallallergien verstärken sich gegenseitig.

So können viele grundlegende Körperfunktionen gestört werden.

Die Liste der direkt oder indirekt durch Schwermetalle ausgelösten Krankheiten liest sich wie eine Aufzählung der Zivilisationskrankheiten von A wie Allergie, B wie Bluthochdruck, über D wie Durchblutungsstörungen, K wie Krebs, N wie Neurodermitis, U wie Unfruchtbarkeit bis hin zu Z wie Zahnfleischentzündungen.

Wissenschaftliche Belege gibt es des Weiteren für: Unfruchtbarkeit, Schädigung des ungeborenen Kindes, Durchblutungsstörungen (am Herzen, im Gehirn, in den Beinen), Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems (Alzheimer, Demenz, Depressionen, Polyneuropathie, Multiple Sklerose), Krebs.

Grundsätzlich sollte bei jedem Patienten mit einer chronischen Erkrankung nachgeforscht werden, ob Schwermetalle vorhanden sind, die eine Heilung verhindern.

Frühsymptome einer Schwermetallbelastung sind abnehmende Leistungsfähigkeit, zunehmende Infektanfälligkeit, Bluthochdruck, Gelenk-, Glieder-, Muskel- und Kopfschmerzen, Hautausschläge oder Haarausfall.

Dem Haarausfall kommt als Frühwarnsymptom eine besondere Bedeutung zu. Die Bildung besonders der Kopfhaare in den Haarfollikelzellen ist eine störanfällige Syntheseleistung, deren Qualität bei Schwermetallbelastung sinkt. So entsteht eine über die Zeit oftmals massiv werdende Auslichtung des Kopfhaares. Das einzige (Alarm)symptom, das neben der Neurodermitis für den Betroffenen wie auch für andere direkt sichtbar wird.

Schwermetalldiagnostik

Schwermetalle sammeln sich über Jahre und Jahrzehnte im Körpergewebe (beispielsweise im Fettgewebe der Nerven, der Brustdrüsen, des Knochenmarks, der Nebennieren) an.

Im Blut sind sie regelmäßig nur in allerkleinsten Mengen zu finden. Für den Nachweis einer chronischen Schwermetallvergiftung ist Blut daher nicht geeignet.

In Haaranalysen finden sich nur dann Schwermetalle, wenn gerade vor kurzem größere Mengen von Schwermetallen aufgenommen oder im Körper freigesetzt wurden.

Also Achtung! Zeigen sich in Blut- oder Haaruntersuchungen keine erhöhten Werte von Schwermetallen, kann daher trotzdem eine chronische Schwermetallvergiftung vorliegen.

Der Nachweis einer chronischen Schwermetallvergiftung ist nur mit einem Provokationstest möglich. Dazu werden dem Patienten 2 Infusionen mit Metall bindenden Substanzen verabreicht.

Diese Diagnostikmethode ist im Konsens der internationalen (IBCMT) und deutschen (KMT) ärztlichen Fachgesellschaften entwickelt worden. Sie ist kein so genanntes „alternatives Behandlungsverfahren“ und keine „besondere Therapierichtung“, sondern die weltweit einzige wissenschaftlich anerkannte praxistaugliche Diagnostikmethode zum Nachweis chronischer Schwermetallbelastungen.

Die verabreichten Chelatbildner werden im Körper nicht verarbeitet. Sie haben nur eine reine Transportfunktion für die Schwermetalle. Beim Durchströmen des Körpers binden sie die Schwermetalle an sich und verlassen ihn dann mit den Metallen beladen, über die Nieren.

Eine Stunde nach Ende der Infusionen gibt der Patient einen Urin ab, der zur Untersuchung in ein Speziallabor kommt.

Dort wird er auf 34 verschiedene Metalle untersucht. Die Untersuchung ist in diesem großen Umfang dringend erforderlich, um die Gesamtsituation einschätzen zu können und um keine Belastungen mit „exotischen“ Metallen zu übersehen. Während früher die Untersuchung von lediglich einer Hand voll Metallen durchaus üblich war, wissen wir heute, dass schon kleinste Mengen „unpopulärer“ Schwermetalle durchaus hoch giftig sein können.

Der große Vorteil dieses Provokationstests ist, dass er bei sachgerechter Anwendung reproduzierbare und vergleichbare Ergebnisse liefert. Sowohl die Mengen, die Abläufe, als auch die Laboruntersuchungen sind standardisiert und genügen somit wissenschaftlichen Ansprüchen.

So können auf der Basis der erhaltenen Ergebnisse je nach Art und Schwere der Schwermetallbelastung ein individueller Therapieplan erstellt werden und die Ausleitungsergebnisse sowohl im Verlauf als auch am Ende der Therapie kontrolliert werden.

Oftmals werden auch alternative Diagnostikmethoden zum Nachweis von Schwermetallbelastungen angeboten und durchgeführt. Diese energetischen Untersuchungen, wie Elektroakupunktur nach Voll, Bioresonanzdiagnostik oder kinesiologische Tests können sehr hilfreich sein, weil sie nützliche Hinweise auf eine Schwermetallbelastung geben können. Quantitative Aussagen sollen damit aber nicht getroffen werden und sind damit auch nicht möglich.

 Wirkung

Die Basis jeder nach den Regeln der ärztlichen Heilkunst durchzuführenden Metallausleitung ist die sachgerechte Schwermetalldiagnostik.

Grundsätzlich müssen dann bei bereits symptomatisch gewordener Schwermetallbelastung drei Schwerpunkte zum Einsatz kommen:

  • Unterstützung der körpereigenen Entgiftungssysteme

  • Regeneration der bereits eingetretenen Zellstoffwechselschäden durch Substitution von metallbedingten Hormon-, Vitamin-, Mineralstoff und Aminosäuredefiziten

  • Ausleiten der Schwermetalle

Die Prioritäten werden je nach dem, wie die Befunde ausfallen, festgelegt. Manchmal muss der Patient  (sein Stoffwechsel) erst stabilisiert werden, bevor entgiftet werden kann. Oft kann man aber auch direkt mit der Ausleitung beginnen und die anderen Punkte parallel einleiten. Dann sind am schnellsten optimale Ergebnisse erreichbar.

Behandlung

Die Ausleiten der Schwermetalle („direkte Entgiftung“) geschieht mit Chelatbildnern.

Chelate binden die toxischen Metalle im Körper. Über den Urin und den Stuhl werden sie auf natürlichem Weg ausgeschieden. Vor allem die Behandlung mit Na-EDTA ist ein außerordentlich sicheres Verfahren, wie die TACT-Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH belegt hat.

Diese werden meist als Infusionen verabreicht. Das ist die effektivste und sicherste Methode, die Metalle aus dem Körper zu entfernen. Um den Ausleitungseffekt zu verstärken oder bei besonderen Indikationen kommen zusätzlich oder allein Präparate in Kapselform zum Ensatz. Die potentiellen Nachteile der Kapselform, wie unsichere Aufnahme im Darm oder Bindung von Metallen bereits im Darm müssen dabei in Kauf genommen werden.

Präparate in Zäpfchenform werden bei sachgerechter Metallausleitung nicht eingesetzt, da sie in der notwendigen Konzentration Durchfälle und Darmkrämpfe verursachen. Sie wären somit genauso unwirksam wie Präparate, die zur besseren Verträglichkeit niedrig dosiert sind.

Auch einigen Pflanzen wird auf Grund ihres Reichtums an Schwefelgruppen eine Schwermetallbindung und –ausleitung zugeschrieben: Kohl, Knoblauch, Zwiebeln, Hülsenfrüchte, Bärlauch. Bei den heutzutage häufig anzutreffenden erheblichen Schwermetallbelastungen taugen sie zwar allein nicht zur Ausleitung. Vorbeugend oder begleitend sind sie jedoch eine hervorragende Ergänzung im Sinne einer gesunden Ernährung.

Auch Chlorella-Algen können Schwermetalle binden und ausleiten. Algen binden Metalle, sowie sie mit ihnen in Kontakt kommen. Man muss daher darauf achten, dass die Algen unter reinsten Bedingungen hergestellt wurden. Schlimmstenfalls werden dem Körper duch die Einnahme von belasteten Algenpräparaten weitere Metallbelastungen zugefügt. Eine gewisse Sicherheit geben seriöse Reinheitszertifikate des Präparateherstellers.

Ein weiterer Nachteil von Algen ist ihr hohes Potential, Allergien zu erzeugen. Algenpräparate müssen für eine effektive Metallausleitung langfristig eingenommen werden. Lange Einnahmen steigern die Wahrscheinlichkeit für die Ausbildung von Allergien. Besonders dann, wenn, wie bei metallbelasteten Patienten fast immer anzutreffen, ungünstige Darmverhältnisse vorliegen.

Aus den genannte Gründen kommen Algenpräparate bei der sachgerechten Schwermetallausleitung nur ausnahmsweise zum Einsatz.

Somit werden vor allem die effektiven und nebenwirkungsarmen Chelatbildner zur Schwermetallausleitung  eingesetzt.

Die Verabrechung nach den Anwendungsprotokollen der internationalen (IBCMT) und deutschen (KMT) ärztlichen Fachgesellschaften garantien dazu eine wissenschaftliche und sichere Basis.

Je nach Schwere der Erkrankungen können 25 oder mehr Infusionen erforderlich sein, die jeweils drei bis vier Stunden dauern. An diese Behandlung schließt sich häufig noch eine Erhaltungstherapie mit einer Infusion pro Monat an.

Die Entgiftung-Chelat-Therapie ist ein sehr sicheres, bewährtes Verfahren. Dennoch können Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, Kältegefühl oder Harndrang, auftreten, die jedoch ungefährlich sind.

Vorbeugung der Schwermetallbelastungen

Leider sind Schwermetallaufnahmen aus der Umwelt und über die Nahrung heute grundsätzlich nicht mehr vermeidbar.

Die Gesamtmenge der aufgenommenen Metalle lässt sich jedoch reduzieren durch:

  • Verzicht auf bzw. Entfernung von Amalgamfüllungen (NACH Schwermetallausleitungstest!!)

  • Verzicht auf Genussgifte (Rauchen!)

  • Sorge für intakte Darmflora (Barriere zwischen „Innen“ und „Außen“)

  • Bewusste Ernährung (Naturbelassene Nahrungsmittel einkaufen und selbst zubereiten)

Die Gesamtmenge bereits aufgenommener Schadstoffe lässt sich durch die Unterstützung der körpereigenen Entgiftung reduzieren.

Die Entgiftung über die Nieren kann duch ausreichendes Trinken von Wasser unterstützt werden.

Auch über die Haut ist eine in ihrer Wirksamkeit nicht zu unterschätzende Entgiftung möglich. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der Körper beim Schwitzen nach 20 Minuten beginnt, nennenswerte Mengen von Schadstoffen über die Haut auszuscheiden. Dies kann zum Beispiel durch Sport oder Sauna erreicht werden.

Beim Sport sind dazu keine Höchstleistungen nötig. Im Gegenteil, es kommt nur auf das Schwitzen an. Das kann, je nach Trainingszustand, schon bei konsequentem zügigen Gehen erreicht werden.

Genau so bei der Sauna. Optimal ist die Biosauna mit 40°C Lufttemperatur über 30 bis 45 Minuten. In diesem Sinne sind kürzere Schwitzdauern bei höheren Raumtemeraturen, so heroisch sie auch sein mögen, wirkungslos.

Quellen

  • Blaurock-Busch, E.: Mineralstoffe und Spurenelemente. Essentielle und toxische Metalle der Humanmedizin. Labor und Diagnose. MTM 2005.

  • Blaurock-Busch, E. und Strey, Reinhard: Handbuch der Klinischen Metalltoxikologie. Auflage 2016.

  • Fischer, A. B. und Eickmann, T.: Metalle/Thallium. In: Wichmann, Schlippköter, Fülgraff (Hrsg.): Handbuch Umweltmedizin-25. Erg. Lfg. 9/02, ecomed 2002.

  • Rubrecht, J.: Dimaval. Wissenschaftliche Produktmonografie. Heyl Berlin 2008.

  • Thomas, L.: Labor und Diagnose. TH-Books 2005. 6. Auflage.

  • Otto/DISU Osnabrück. Cadmium Informationsblatt- http://www.dapinfo.de/gesundheitsamt/alle/umwelt/chemie/met/cd/infobl.htm

  • http://www.uniterra.de/rutherford/ele013.htm

  • http://www.gifte.de/Antidote/dmps.htm

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): http://www.bfr.bund.de/cd/27956

  • Ärztegesellschaft für klinische Metalltoxikologie e.V.

  • Dr.med. Peter Jennrich, Mitglied des Intern.Board of Clinical Metal Toxicology (IBCMT), wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Ärztegesellschaft für Chelattherapie: Schwermetalle-Ursache für Zivilisationskrankheiten, CO`MED Verlagsgesellschaft mbH, Hochheim 2007

Kakaoflavanole: Schutzwirkung für das Herz-Kreislauf-System

 

Hot chocolate, Kakao … das klingt nach Liebe, nach so viel Wärme und Herzlichkeit… und irgendwieso vetraut aus der Kindheit.

Schokolade ist gesund, weil sie das Herz-Kreislauf-System unterstützt….. Haben wir schon sehr oft und überall gehört und gelesen. Doch es ist nur halbrichtig.

Denn nicht die Schokolade, sondern die darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen der Kakaoflavonole fördern die Gesundheit. Deren blutdrucksenkende, entzündungshemmende und gerinnungshemmende Effekte können sehr effektiv zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen und das Risiko, an einem kardiologischen Ereignis zu versterben, deutlich senken. Bei der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde wurde der nachfolgende Health Claim beantragt: „Kakaoflavanole fördern die Elastität der Blutgefäße, was zum normalen Blutfluss beiträgt.“

Eine sehr wichtige Wirkung der Kakaoflavanole ist die Reparatur des Gefäßinnenwandes (Endothels). Eine Dysfunktion des Endothels ist typisch für eine frühe Arteriosklerose und damit für die meisten kardiovaskulären Risikofaktoren. Bei Vorliegen einer endothelialen Dysfunktion kann weniger Stickstoffmonoxid (NO) in die Gefäße abgegeben werden und es kommt zu einer verminderten vaskulären Bioverfügbarkeit von NO und damit zu einer geringeren Gefäßelastizität.

Darüber hinaus ist eine Endotheldysfunktion gekennzeichnet durch eine vermehrte Bildung freier Sauerstoffradikale und eine erhöhte Produktion von Vasokontriktoren wie Angiotensin II und Endothelin – die Endotheldysfunktion ist somit der Beginn der Arteriosklerose. Kakaoflavanole regenerieren die Endothelfunktion, indem sie einen Anstieg von NO aus dem Endothel in das Blut induzieren. Dadurch weitet sich das Gefäß, die Durchblutung und Zirkulation des Blutes verbessert sich. NO entspannt die glatte Muskulatur der Gefäße. Das heißt, Kakaoflavanole verbessern bei Patienten mit Endothelfunktionsstörungen dessen Funktion ( bei Diabete Typ II oder Arteriosklerose! ).

Weitere kardiovaskuläre Schutzeffekte ergeben sich aus der blutdrucksenkenden, entzündungshemmenden, cholesterinsenkenden und stressreduzierten Wirkung der Kakaoflavanole. So liegen mehrere Metaanalysen vor, die zeigen, dass der Verzehr kakaoreicher Lebensmittel den Blutdruck senken kann. Die Senkung des Blutdrucks ergibt sich zum einen aus der Regeneration der Endothelfunktion; über die vermehrte Freisetzung von NO werden die Gefäße dilatiert. Zudem gibt es Hinweise auf eine blockierende Wirkung  auf das Angiotensin-konvertierende Enzym ( Blutdrucksteigende Enzym ).

Auch die entzündungshemmende Wirkung der Kakaoflavanole ist von großer Bedeutung, da chronische Entzündungsreaktionen eng mit der Entstehung der Arteriosklerose assoziiert sind. Kakaoflavanole inhibieren entzundungshemmende Zytokinde und führen zu einer Verringerung der Leukotrienen. Auch auf die Blutfettwerte haben Kakaoflavanole einen günstigen EInfluss. So führt der regelmäßige Verzehr von Kakaoprodukten zu einer Erhöhung des kardioprotektiven HDL-Cholesterins und einer Senkung LDL-Cholesterins, das zudem vor Oxidation geschütz wird. Personen, die regelmäßig Kakaoprodukte verzehren, einen niedrigen Body-Mass-Index aufweisen als eine, die keine Kakaoprodukte konsumieren. Dies wird von allem auf den Sättigungseffekt von Kakaoprodukten zurückgeführt.

Nicht zuletzt konnten auch stresssenkenden Effekte von Kakaoflavanolen nachgewiesen werden. Stress ist ein wichtiger Trigger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – kurzer heftiger Stress kann einen Myokardinfarkt auslösen. Daher ist die Reduzierung von Stress ein wichtiger Baustein in der Prophylaxe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kakaoflavanole können die Stresshormone Cortisol und Adrenalin senken: Je höher der Flavanolspiegel, desto geringer der Stressanstieg. Vermutlich schützen Flavanole auf der Ebene der Nebenniere vor der körperlichen Reaktion auf Stress.

Selbstverständlich trotz der vielen positiven Wirkungen der Kakaoflavanole die Empfehlungen, Kakaogetränke oder Schokolade zu verzehren, bei vielen audgrund des hohen Zuckergehalts und der hohen Energieziführ bei Diabetiker und bei Patienten mit metabolischen Syndrom kontraindiziert. Der Verzehr von Bitterschokolade ist wegen seines hohen Flavanol-Gehalts besser. Allerdings ist deren Energiegehalt kaum geringer und es werden durch die technologische Bearbeitung des Kakaos die wertvollen Flavanole aus dem Kakaopulver entfernt. Daher ist der Flavanol Gehalt in den verschiedenen Schokoladensorten und Herkunft schwanken. In mehreren  Studien wird daraufhingewiesen, dass die Schutzwirkung auf das Endothel bei zuckerfreien Kakao signifikant besser ist als bei regulärem Kakao.

Für viele Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinsuffizienz, mit Risikofaktoren für kardiologische Ereignisse wie Diabetiker Typ 2, Hypertoniker, bei Arteriosklerose und Gefäßverschlußerkrankungen, Raucher, Übergewichtige und beim Stress wäre die Gabe von Kakaoflavanolen aufgrund oben beschriebenen Wirkungen sehr sinnvoll. Daher sind Kapsel-Präparate, die Kakaoflavanole in hoher Konzentration enthalten und dabei keine kalorische Belastung bedeuten, sehr gut geeignet.

 

  Quellen:

1.  Sudano I, Flammer AJ, Roas S et al. Cacao, blood pressure, and vascular funktion. Curr Hypertens Rep 2012;14(4): 279-284.

2. Sansone, R et al. Cacao flavanol intake improves endothelial funktion and framimgham risk score in healthy men and womenn: A randomised, controlled, double-masked trial: the flaviola health study. Br J Nutr 2015; 28;114 (8):1246-55

3. Deutsche Geselschaft für Ernährung e.V.. 12, Ernährungsbericht. Bonn, 2012: 355ff  

 

 

 

Neurofunktionelle Störungen der Psyche

Psyche wird seit der Antike in einem sehr umfassenden Sinn verstanden. Das menschlicher Gehirn ist komplex und besteht aus Milliarden Kombinationen und Vernetzungen. Die wissenschaftliche Studien deuten auf Verbindungen der Areale für die emotionalen Funktionen mit den Arealen für Interezeption und die Viszeromotorik. Diese haben jedoch als einzelne Areale keine alleinige oder umfassende Funktion, sonder sind im komplexen Netzwerken arrangiert. Sind diese Netzwerke in ihrer Funktion durch physiche Einwirkungen oder chemisch-toxische Störungen in ihrer Funktion gestört, kann es neben körperlichen Symptomen auch psychische Beschwerden kommen. Des Weiteren können traumatische Lebensumstände oder auch der Umstand, dass man nicht gelernt hat, wie man mit bestimmten Situationen umgeht, zu Ängsten und Stress führen. Egal ob die Ursache eher in der Physiologie des Nervenssystems zu suchen ist, oder auf schlechte oder mangelnde Erfahrungen zurückzuführen ist, kann man über die Modulation des Nervensystems dem Menschen helfen neue kognitivie Strategien oder emotionale Konzepte zu lernen und ungünstige gelernte mentale oder physiologische Muster zu überwinden. Die Veränderungen des Nervenssystems kann durch Neurofunktionelle Integration erreicht werden. Die Diagnostik erfolgt durch neurologische Testung aller Körpersysteme und -funktionen, auch der kognitiven und emotionalen Funktionen. Die Behandlung hat zum Ziel die gestörte Funktion des Nervensystem durch Setzung gezielter motorischer und sensorischer Reize zu verbessern.

 

 

Multiple Sklerose und Ernährung

 

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und charakterisiert durch Demyelinisierung, Neuraxonuntergang und Neuronenverlust. Die immunologisch bedingte Herkunft mit entzüdlicher Komponente lässt vermuten, dass ernährungstherapeutische Ansätze einen wirksamen Beitrag zur Therapie leisten kann. Im Gegensatz zu anderen chronisch-entzündlichen immunologisch übermittelten Erkrankungen wie Rheuma oder chronische entzündliche Darmerkrankungen ist die Ernährungstherapie bei MS wenig mit klinischen wissenschaftlichen Studien belegt. Zum anderen zeigen die Daten, dass etablierte Ernährungstherapien, die bei metabolischen Erkrankungen evidenzbadsiert ist, eher geringe klinische Wirkung bei MS zeigt.

Experimentelle Studien zeigen für das regelmäßige intermittierende Fasten eine gute Wirkung auf MS und andere neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Demenz. Dabei zeigen Studien unter ketogener, pflanzenbasiert, vegetarische betonte Vollwerternährung entzündungshemmende und neuroprotektive Wirkungen. Für die sichere klinische Einschätzung sind noch die Ergebnisse weiterer Studien abzuwarten. Es wurden verbesserte Krankheitsverläufe und Verringerung der Läsionslast im MRT der Tiere beobachtet. Sehr günstige signifikante Effekte zeigte wiederholten Perioden 3-tägigen Fastens mit teilweise reversible Demyelinisierung. In Fastenkonzept werden niedrig kalorische Ergänzungen eingesetzt. Zur Sicherung des Fastenstoffwechsels mit Energiegewinnung aus Lipolyse die Kalorienzufuhr 500 kcal pro Tag beim Fasten nicht überschreiten darf. Das Konzept der mimicking Fasting mit vegane und zuckerarme kalorienreduzierte Kost über 4-5 Tage in monatlichen Abständen liegt bei 900 Kalorien pro Tag.

Grundsätzlich erscheint eine pflanzenbasierte mediterranen Ernährung sehr vorteilhaft. Eine früher sehr oft eingesetzte Ernährungstherapie mit hohen Anteilen an pflanzlicher Kost, Ballaststoffen und pflanzlichen Ölen wird heute nach neueren Erkenntnissen als lacto-vegetabile Vollwertkost , und nicht wie von vielen irrtümlich als – nur Rohkost (Gährung und Fäulnis = Leaky Gut Syndrom!)  angeboten! Der Vorteil der pflanzenbasierte Form liefert die in tierischen Lebensmittel vorkommende Arachidonsäure (Eigelb, Fleisch, Innereien, Fisch, Butter), die ein Cofaktor für entzündungsfördernde Botenstoffe ist.

Einen entzündungshemmenden Effekt haben Omega-3-Fettsäuren, die aus pflanzlichen Quellen (Leinsamen, Leinöl, Walnüsse, Blattgemüde, Samen) und Fisch stammen. Wenn eine erhöhte Omega-3-Fettsäurezufuhr angestrebt wird, sollte diese bevorzugt über pflanzliche Quellen erfolgen, da Fisch mit neurotoxischen Schwermetallen und Industrieschadstoffe aufngrund der Verschmutzung der Meere belastet sind. Relevant sind Arsen, Blei und Quecksilber, die bei MS Patienten in einigen Studien höhere Exposition nachweisen. Für Arsen ist neben Reismilch, Geflügel, Fisch und Thunfisch die häufigsten Quellen. Für Blei sind Milch und Milchprodukte. Für Quecksilber sind wiederum Fisch und Meeresfrüchte. In vielen Studien wurden auch erhöhte Belastungen mit Pestiziden und Polychlorbiphenylen (Fisch, Fischöl, Eier, Milch, Fleisch) bei MS festgestellt.

Milch steht auch in Verdacht eine ungünstige Rolle bei MS und neurodegenerativen Erkrankungen zu spielen. Hier scheint die Galaktose ein destruktive Cofaktor zu sein. Durch den Verzehr von Milch senkt auch noch Harnsäurewert, was für Gicht ein positiver Wirkung zeigt. Harnsäure ist jedoch auch noch ein wichtiges Antioxidans für das Gehirn und schützt vor neurodegenerativen Erkrankungen.

Die von deutschen Apothekerin Budwig begründetete Öl-Eiweiß-Ernährungsform erfährt immer mehr große Popularität bei MS Patienten. Die Diät wirkt antientzündlich, krebshemmend und sieht einen hohen Anteil an pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl vor, hat wiederum jedoch Milchprodukte, was nicht zu empfehlen ist!

Die Schweizer Dr. Koumine entwickelte eine weitere Diät für MS, die zusätzlich zur Budwig Diät noch Darmhygiene, Säure-Basen-Gleichgewicht, Nahrungsergänzungsmittel sowie psychosoziale Betreuung effektiv und effizient einsetzt.

Noch ist unklar , wie die Rolle von Salz für die Entstehung der MS ist. Mehrere epidemiologische Studien belegen dass ein reichlicher Kaffegenuss mit deutlich reduzierten Risiko verbunden ist , an MS zu erkranken.

Die Neurowissentschaftler gehen davon aus, dass die Ernährung über die Darmflora auf die MS einwirtkt, sowohl beim Entstehen als auch bei der Progression. Eine besondere Rolle scheinen dabei die kurzkettigen Fettsäuren zu spielen, die als Botenstoffe zwischen der Mikrobiota und Immunzellen dienen. Jede Ernährungsmodifikation geht vermutlich mit einer Beeinflussung der Darmflora einher. Dies kann möglicherweise auch die Erklärung dafür sein, warum sich in bestimmten Orten der Welt die MS-Häufigkeit in den vergangenen Jahren deutlich geändert hat. Westlicherer Lebensstil in viele Gegenden die Zahl der MS-Erkrankungen gesteigert. Noch ist unklar, in welcher Form sich die Mikrobiota beeinflussen lässt.

Aus Sicht der Integrative Medizin können Interventionen, die Mikrobiota aufbauen und eher in eine entzündungarme Balance bringen, der Krankheitsverlauf der MS günstig beeinflüsst, empfohlen werden, z.B. regelmäßige Fastenperioden mit intermittierenden Fasten, präbiotische basische balaststoffreiche (nicht nur Rohkost = Gährung + Fäulnis = Leaky Gut Syndrom!) Gemüse, eine pflanzenbasierte, vegetarisch betonte ketogene Vollwert Ernährung mit der ayurvedischen Ansätzen.

Quellen:

  1. Jörg S et al: Environmental factors in autoimmune diseases and their role in multiple sklerosis. Cell Mil Life Sci 2016; 73(24): 4611-4622

  2. Choi IY et al: A Diet Mimicking Fasting Promotes Regeneration and Reduces Autoimmunity and Multiple Sclerosis Symptoms. Cell Rep 2016; 15(10):2136-46

  3. Amato MP et al: Environmental modifiable risk factors for multiple sclerosis: Report from the 2016 ectrims focused workshop. Mult Scler 2017; doi: 10.1177//135245851668684

 

 

 

Mitochondriopathien und Nitrosativer Stress

Klassischerweise werden Mitochondriopathien als Erbkrankheiten betrachtet und in der Regel durch eine Muskelbiopsie gesichert. Es gibt eine Vielzahl solcher angeborenen Mitochondriopathien, die jeden Bereich des Mitochondriums betreffen können.

Häufiger als genetisch bedingte Mitochondriopathien finden sich erworbene Formen, die nicht mit charakteristischen Symptomen ausfallen. Das Erscheinungsbild kann stark variieren. Sehr oft klagen Menschen dann über Energielosigkeit, möglich sind auch Beschwerdebilder, die an Multiple Sklerose, Fibromyalgie oder chronische Müdigkeitssyndrom erinnern.

Auslöser der erworbenen Mitochondriopathien ist Nitrosativer Stress, der Strukturen und Genom von Mitochondrien schädigen kann, auch ein Mangel an mitochondrialen Cofaktoren, wie Coenzym Q 10, Riboflavin oder Niacin.

Nitrosativer Stress entsteht wenn Stickstoffmonoxid (NO) in erhöhten Mengen gebildet wird. Als endotheliales (innere Gefäß Wand bezogenes) NO führt es an Gefäßen zu einer Gefäßwand Erweiterung. NO wird auch in Nervenzellen gebildet, was infolge eine bakteriellen oder viralen Infektionen entsteht oder auch in Mitochondrien.

NO stellt ein farbloses Gas dar, das aufgrund eines ungepaarten Elektrons Radikal Charakter besitzt und ausgeprägten biologischen Effekte beruht. Durch eine Reaktion mit Superoxidanionen reagiert es bei oxidativem Stress zu Peroxynitrit, einer toxischen Substanz, die Mitochondrien schädigt.

Peroxynitrit ist das wesentliche Agens in der Kaskade aus nitrosativem Stress, Mitochondriopathie, Immundysfunktion (chronische, oft stille subklinische Entzündung) und in vielen Fällen auch Schmerzen.

Häufige Ursachen einer vermehrten NO-Synthese oder Nitrosativem Stress sind im folgenden zusammengestellt:

 

  • Schmerzen

  • Chronische Entzündungen

  • Chronischer Stress

  • Umweltgifte: Schwermetalle, Lösungsmittel, Pestizide

  • Medikamente: Antihypertonika, Langzeitnitrate, Antidiabetika, Cholesterinsynthesehemmer, mitochondrieinschädigende Antibiotika (Gentamicin, Cotrimoxazol)

  • HWS-Traumen

 

Eine ganze Reihe von Erkankungen wurden in der Vergangenheit mit Nitrosativem Stress in Verbindung gebracht. Inflammatorische Erkrankungen fördern über eine Freisetzung von Zytokinen die Aktivierung der induzierbaren NO-Synthase. Hierdurch wird vermehrt NO gebildet. Es kommt dann zu Nitrosativem Stress.

 

Eine Auswahl mitochondrialer und chronisch entzündlicher Erkrankungen:

 

 

  • Rheumatoide Arthritis

  • Seronegative Spondylarthropathien ( M. Bechterew, reaktive Arthritis )

  • Kollagenosen ( Systemische Lupus, Sjörgen Syndrom, Sklerodermie )

  • Polymyalgia Rheumatika

  • Fibromyalgie

  • Chronifizierte Infektionen ( Borreliose, Chlamydien, Hepatitis )

  • Chronische Erschöpfung

  • Multiple Sklerose

  • Tumorleiden

  • Metabolisches Syndrom, Diabetes, KHK und Arteriosklerose

  • Sekundäre Depressionen und Angststörungen

  • Psoriasis

  • Allergien, Neurodermitis, Asthma

  • Lebererkrankungen

  • Migräne, chronischer Kopfschmerz

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Reizdarm

 

Diagnostische Ansätze bei Mitochondriopathien oder Nitrosativem Stress können die NO-Bildung, Voraussetzungen der Peroxinitritsynthese oder Auswirkungen auf die Mitochondrien erfassen und bestimmen die optimale therapeutische Faktoren.