Schröpftherapie

 

Schröpfen zählt zu den traditionellen ausleitenden Therapieverfahren. Dabei wird in einem auf die Haut aufgesetzten Gefäß (Schröpfkopf) ein Vakuum erzeugt.

In der Anwendung unterscheidet man das trockene und das blutige (nasse) Schröpfen. Im Gegensatz zum trockenen Schröpfen, bei dem durch den Unterdruck im Schröpfgefäß eine Schwellung entsteht, wird die Haut beim blutigen Schröpfen zusätzlich eingeritzt, um Blut abzusaugen.

Blutiges Schröpfen kann man zum Beispiel bei Lähmungen, Epilepsie, Hysterie, Manien, Fieber und Entzündungen sowie Lungenentzündungen oder Lungentuberkulose kann eine geeignete Therapie sein. Das trockene Schröpfen dient dazu, die Blutmenge an den von der Krankheit betroffenen Stellen zu reduzieren.

Das Schröpfen bewirkt eine Umstimmung und Regulation gestörter Körperfunktionen. Darüber hinaus wirkt es schmerzstillend und krampflösend, durchblutungsfördernd, eintgiftend und entzündungshemmend. Die Erfolge einer Schröpftherapie stellen sich meist sehr schnell ein. Sachgemäß durchgeführt, ist Schröpfen unschädlich und frei von ungünstigen Nebenwirkungen.

Geschichte der Schröpftherapie

Schröpftechniken werden bereits sehr lange zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt, in China etwa bereits seit einigen tausend Jahren. Zum Schröpfen benutzte man Tierhörner, in denen durch Absaugen oder durch Feuer ein Unterdruck erzeugt wurde, um Blut und Eiter aus Furunkeln zu ziehen. Später kam das Schröpfen in der traditionellen chinesischen Medizin auch als unterstützende Therapie bei chirurgischen Eingriffen zum Einsatz. Nachdem sich zeigte, dass es auch bei anderen Erkrankungen wirksam ist, entwickelte sich Schröpfen zu einer eigenständigen Therapieform weiter.

Im ältesten medizinischen Lehrbuch der Welt, dem ägyptischen Ebers-Papyrus (ca. 1550 v. Chr.), wird das blutige Schröpfen bereits als Mittel erwähnt, um „fremde Stoffe aus dem Körper zu entfernen“.

Aber auch in der westlichen Welt wurde das Schröpfen schon früh als Therapieform entdeckt. Unter anderem waren Hippokrates und Galen Befürworter dieser Heilmethode. In der jüdischen Tradition, im Nahen Osten und in der islamischen Welt gehört Schröpfen ebenfalls von alters her zu den bewährten Therapieformen.

Heute hat es sich das Schröpfen vor allem zur Behandlung von Asthma, Erkältung, chronischem Husten, Verdauungsstörungen und Darm Erkrankungen und Hauterkrankungen etabliert.

Schröpfinstrumente

Die meisten Therapeuten verwenden heute Schröpfgefäße, die über ein Ventil und eine manuell zu bedienende Vakuumpumpe zum Absaugen der Luft verfügen. Andere Varianten sind mit einem Kolben oder einem Gummiball zu bedienen, es gibt aber auch elektrische Schöpfapparate. Als Materialen sind Bambus, Glas und Gummi verbreitet. Bambus ist sehr haltbar, aber relativ scharfkantig, weshalb westliche Therapeuten bevorzugt Glasmodelle mit einem etwas dickeren Rand einsetzen. Schröpfköpfe aus Gummi sind sehr vielseitig anzuwenden, vor allem an empfindlichen Körperstellen, und erzeugen einen starken Saugeffekt. Allerdings sind sie schwer zu sterilisieren und daher eher für den persönlichen als für den klinischen Gebrauch geeignet.

Hintergründe der Schröpfwirkung

Die Haut ist das größte Organ unseres Körpers. Sie enthält Flüssigkeit, Blut, Blutgefäße, Bindegewebe, Muskeln und Nerven. Auch die aus der traditionellen chinesischen Medizin bekannten 14 Hauptmeridiane liegen in der Haut. Die Akupunkturpunkte lassen auch durch Schröpfen stimulieren, um bestimmte Organe zu beeinflussen.

Durch die Schröpftherapie lassen sich die Funktionen des lymphatischen Systems und des Blutkreislaufs anregen. Beide sind im ganzen Körper verzweigt. Während das lymphatische System Abfallprodukte, Giftstoffe und Krankheitserreger im Gewebe sammelt, filtert und beseitigt, übernimmt das Blut die Aufgabe, Sauerstoff, Nährstoffe und Hormone aufzunehmen und im Körper zu verteilen.

Das lymphatische System ist eng mit dem Herz-Kreislauf-System verbunden und spielt eine wichtige Rolle für die Abwehr von Krankheitserregern.

 

 

Schröpfen als unterstützende Therapie

Auch wenn naturwissenschaftliche Studien die Wirkung der Schröpftherapie nicht anerkennen, so sind ihre Wirkung und Unschädlichkeit in der Praxis unbestritten. Als sinnvolle Ergänzung zu klinischen Maßnahmen wird sie daher zunehmend auch von Schulmedizinern bei der Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen akzeptiert, zum Beispiel um den Heilungsprozess zu beschleunigen, die Abwehrkräfte anzuregen und chemische Medikamente niedriger dosieren zu können.

Kommentar von Olga Beckmann

 

 

Als vielfältig wirksame Therapiemethode ohne schädliche Nebenwirkungen schätze ich das Schröpfen sehr und wende je nach Diagnose das trockene oder das blutige Verfahren an, bei Bedarf gern in Kombination mit anderen konventionellen und ganzheitlichen Therapieverfahren. Ich setze dabei auch elektrische Saugglocken von Pneumatron ein. Meine Erfahrung zeigt, dass in vielen Fällen Schröpfen allein schon für eine erfolgreiche Behandlung ausreichen kann. Gestützt wird diese Einschätzung unter anderem durch aktuelle Studien der Cassens-Stiftung Natur und Medizin e. V. aus den Jahren 2011 und 2012. Dort wurde wissenschaftlich fundiert nachgewiesen, dass Schröpfen beim Karpaltunnelsyndrom und Kniegelenkarthrose schnell zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden führt.

Quellen

  • Al-Jauziyah, Imam Ibn-Qayyim: Healing with the Medicine of the Prophet (trans Jalal Abdual Rub). Dar-us-Salam Publications, Houston 2003
  • Chirali, Ilkay Zihni: Schröpftherapie in der chinesischen Medizin. 2. Auflage. Urban & Fischer Verlag, München 2008. S. 2-15, 16-21, 24-34.
  • McCarthy, M.: Lymphatic therapy for toxic decongestion. Churchill Livingstone, Edinburgh 2003.