Schmerztherapie mit Neuraltherapie

 

 

Als Neuraltherapie bezeichnet man die Behandlung von örtlich begrenzten oder allgemeinen Störungen des Organismus durch die Injektion von überwiegend kurzwirksamen Lokalanästhetika wie z.B. Procain. Auf diese Weise lassen sich vor allem Schmerzzustände, funktionelle und vegetative Störungen sowie chronische Entzündungen behandeln.

Ganz im Sinne der modernen Regulationsmedizin macht sich die Neuraltherapie die körpereigene Steuerungs- und Ausgleichsfunktion des vegetativen Nervensystems zunutze. Durch die Injektionen werden die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt. Dabei werden alle Regelkreise des Organismus beeinflusst.

Die Neuraltherapie wird als fachbereichsübergreifende Methode mitunter der sogenannten Alternativmedizin zugeordnet, ist aber tatsächlich wissenschaftlich fundiert und setzt weitreichende Kenntnisse der neuroanatomischen und neurophysiologischen Grundlagen voraus, insbesondere im Bereich des vegetativen Nervensystems.

 

 

Wirkungsweise

Die neuere Hirnforschung hat Zusammenhänge zwischen Störungen auf der strukturell-chemischen Ebene und der Aktivierung von Hirnregionen nachgewiesen, die psychische und körperliche Funktionen steuern. Chronische Schmerzen können demnach eng mit Angst und Depressionen verbunden sein. Ihre Behandlung verläuft nur erfolgreich, wenn sie zugleich sowohl auf der strukturell-chemischen als auch auf der psychologischen Ebene erfolgt, sich also nicht ausschließlich auf körperliche oder seelische Symptome konzentriert. Zusätzlich berücksichtigt die Neuraltherapie als Drittes noch die bioelektrisch-informative Ebene, denn der Organismus wird von zahllosen Programmen gesteuert, die in sämtlichen Zellen, in der interzellulären Matrix und im Nervensystem gespeichert sind.

Ihre Wirkung entfaltet die Neuraltherapie auf mindestens fünf unterschiedliche Weisen. Als lokales Analgetikum lindert sie Schmerzen. Sie wirkt entzündungshemmend, indem sie intrazelluläre Prozesse auslöst. Pathologische Erregungsmuster werden von ihr reguliert. Über das vegetative Nervensystem wirkt sie auf psychische Zustände ein. Und über elektrische Impulse kann sie die normalen Funktionsabläufe in den Regelkreisen des Organismus wiederherstellen.

 

Therapeutisches Vorgehen

Grundlegend für die Neuraltherapie ist eine interdisziplinäre, vernetzte und nicht an einzelnen Symptomen orientierte Sichtweise, die auch die jeder Behandlung vorausgehende lokale und ganzheitliche Anamnese prägt. Je differenzierter die Diagnose ausfällt, desto genauer kann man erkennen, auf welcher dieser Ebenen das Gesamtsystem beim jeweiligen Patienten am besten mit der Neuraltherapie anzusprechen ist. Dabei werden gleichzeitig psychische und somatische Effekte ausgelöst, die sich gegenseitig ergänzen und stärken.

 

Indikation

  • Bandscheibenvorfall Beschwerden
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Arthrose
  • Gicht
  • Schulter- und Knie- Schmerzen
  • Rheuma
  • Reizdarm
  • Magenschleimhauteintzundung
  • Schuppenflechte
  • Psorias
  • Sodbrennen

 

Kommentar von Olga Beckmann

Die Neuraltherapie ist ein ganzheitliches Verfahren, das bei etwa 80 Prozent aller chronischen Erkrankungen und chronischen Schmerzsymptomatiken effektiv und sicher zur Behandlung eingesetzt werden kann. Ich schätze sie besonders, weil sie in vielen Fällen eine langwierige Einnahme von Medikamenten vermeiden helfen kann, wie neuere evidenzbasierte Studien belegen. Zudem lässt sie sich auch hervorragend mit zahlreichen schulmedizinischen Ansätzen kombinieren.

Quellen

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  • Baron, R., Schattschneider, J., Binder, A., Siebrecht, D., Wasner, G.:  Relations between sympathetic vascoconstrictor activity and pain and hyperalgesia in complex regional pain syndromes: a case-control study. Lancet 2001, 359: S 1655-1660.
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  • Garten, H., Weiss, G.: Systemische Störungen. Problemfälle lösen mit Applied Kinesiology. Urban & Fischer Verlag, München 2007.
  • Papathanasiou,G.: Neuraltherapie. Von der Gate Control Theorie zur Neuromatrix. Ganzheitsmedizin 2006, 3: S. 5-10.
  • Schebusch, K. P., Maric-Oehler, W., Popp, F. A.: Biophotonics in the infrared spectral range reveal acupuncture meridians strcture of the body. Journal of Alternative Complementary Medicine 2005, 11: S. 171-172.
  • Weinschenk, Stefan (Hrsg.): Handbuch der Neuraltherapie. Diagnostik und Therapie mit Lokalanästhetika. Urban & Fischer Verlag, München 2010. S. 2-4, 9-13.