Mikronährstoffmedizin

 

Orthomolekulare Medizin wird zur Gesunderhaltung und zur Behandlung von Erkrankungen durch eine individuell richtige Dosierung natürlicher, im Körper vorkommender Wirkstoffe eingesetzt. Der Begriff „orthomolekular“ bedeutet so viel wie „die richtigen Moleküle“ und bezieht sich auf Mikronährstoffe als Voraussetzung für die intakte Zellfunktion, den reibungslosen Stoffwechsel und die Leistungsfähigkeit des Organismus. Mikronährstoffe sind zum Beispiel Vitamine, Folsäure, Calcium, Eisen und Zink.

 Geschichte

Wegbereiter der Orthomolekularmedizin waren in den 50er- und 60er-Jahren der Biochemiker und Psychiater Dr. Abraham Hoffer sowie der Biochemiker und zweifache Nobelpreisträger Prof. Linus Pauling, der den Grundgedanken der orthomolekularen Medizin 1968 erstmals in der Zeitschrift „Science“ definierte. Die Orthomolekularmedizin gilt heute als Grundlage eines neuen Ernährungsparadigmas, das den Bedarf an Mikronährstoffen als individuelle Größe betrachtet.

Wirkungsweise

Sämtliche Stoffwechselprozesse des Organismus sowie der Aufbau und Ersatz körpereigener Substanzen sind an eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen gebunden. Ein Ungleichgewicht im Mikronährstoffhaushalt ist für viele Erkrankungen ursächlich und kann durch eine entsprechend dosierte Verabreichung von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden.

Ein Mangel an Mikronährstoffen oder eine Dysbalance führt jedoch nicht zwangsläufig zu eindeutigen Symptomen und ist daher nur anhand geeigneter klinisch-biochemischer Parameter labordiagnostisch zu ermitteln. Eine exakte Diagnose und eine individuelle Dosierung sind unter Beachtung eines ausgewogenen Mikronährstoffhaushalts für den Erfolg der Therapie unerlässlich.

Mikronährstoffe besitzen im Vergleich zu Arzneimitteln eine größere therapeutische Breite und haben weniger Nebenwirkungen.

 

Anwendungsbeispiele

Viele Erkrankungen sind durch eine ausreichende Versorgung mit bestimmten Nährstoffen vermeid- und behandelbar. So kann man zum Beispiel bei Diabetikern den Bedarf an Insulin durch eine vermehrte Aufnahme von Vitamin C senken. Vitamin C lässt sich auch zur Behandlung von Infektionen und sogar bei Schizophrenie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs einsetzen.

Der Zusammenhang zwischen Arteriosklerose und Ascorbin ist in Studien beschrieben worden. Heute weiß man, dass bei einer Einnahme von vier und mehr Gramm Ascorbin pro Tag keine Arteriosklerose auftritt.

Ein Drittel der über 60-Jährigen leidet an Makuladegeneration, einer als unheilbar geltenden Augenkrankheit. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben in einer einjährigen Studie festgestellt, dass die Verabreichung von Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren die Erkrankung aufhalten oder den Verlauf verlangsamen konnte.

In einer Alzheimer-Studie der Universität Oxford zeigte sich bei Patienten, die hoch dosiertes Vitamin B12 erhielten, ein bis zu siebenfach langsameres Fortschreiten der Hirnatrophie im Vergleich zur Plazebogruppe.

 

 

 Mikronährstoffmangel vorbeugen

Durch Ernährung und einen gesunden Lebensstil kann man einem Mikronährstoffmangel vorbeugen. Dazu sollte man allgemein auf eine ausgewogene und mikronährstoffreiche Vollwerternährung achten. Geeignete Lebensmittel dafür sind zum Beispiel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Seefisch, pflanzliche Öle und magere Milchprodukte. Man sollte ausreichend viel Wasser trinken, mindestens 1,5 l am Tag. Rauchen ist ebenso schädlich wie zu viel Alkohol, Übergewicht oder Bewegungsmangel.

Defizite und Dysbalancen im Mikronährstoffhaushalt lassen sich durch Metabolic Tuning ausgleichen, so nennt man die Optimierung des Stoffwechsels durch die gezielte Verabreichung von Mikronährstoffen.

 

 

Kommentar von Olga Beckmann

 

 

Die besten und nebenwirkungsärmsten schulmedizinischen Therapien sind von orthomolekularer Natur, auch wenn sie sich selbst nicht so definieren. Aufgrund ihrer hervorragenden Wirkung, ihrer Vielseitigkeit und ihrer guten Verträglichkeit setze in meiner Praxis Mikronährstoffe gerne und mit Erfolg zur Behandlung zahlreicher Krankheiten ein.

Quellen

  • Biesalski, H. K., Grimm, P.: Taschenatlas der Ernährung. 3. Auflage. Georg Thieme-Verlag, Stuttgart 2004.
  • DACH: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Umschau/Braus 2000.
  • Dietl, H., Ohlenschläger, G.: Handbuch der Orthomolekularen Medizin. 2. Auflage. Haug, Heidelberg 2001 (vergriffen).
  • Gesamtschau des Menschen. 9. Auflage. Urban & Fischer Verlag 2005.
  • Grimm, H.-U.: Die Suppe lügt. Die schöne neue Welt des Essens. Droemer Knaur Verlag, München.
  • Gröber, U.: Mikronährstoffe. Metabolic Tuning, Prävention, Therapie. 3. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2010.
  • Lübecker hoT-Workshop 2005. Gesundheit ist möglich. (DVD-Box mit Vortragsmitschnitten verschiedener Autoren). VBN-Verlag.
  • Schmidt, E., Schmidt, N.: Leitfaden der Mikronährstoffe. Urban & Fischer Verlag.
  • Volkmann, P.-H.: Ökosystem Mensch. Gesundheit ist möglich. 2. Auflage. VBN-Verlag, Lübeck 2009.
  • Werbach, M. R.: Nutriologische Medizin. Hädecke-Verlag 1996.
  • Worlitschek, M.: Praxis des Säure-Basen-Haushaltes. Grundlagen und Therapie. 6. Auflage.