Eigenbluttherapie, Platelet Rich Plasma (PRP) Therapie

 

 PRP bedeutet „Plättchen-reiches Plasma“ (engl: Platelet-Rich Plasma). Unser Blut enthält verschiedenste lebende Zellen. Eine Zellart sind die Thrombozyten, oder Blutplättchen. Bei PRP handelt es sich um konzentriertes Blutplasma eines einzelnen Patienten (also Blut ohne rote Blutkörperchen). PRP enthält eine besonders hohe Menge an Blutplättchen, Wachstumsfaktoren und Proteinen. Die ebenfalls enthaltenen weissen Blutkörperchen spielen eine etwas weniger wichtige Rolle im PRP (näheres zur Bestandteile von PRP und Herstellung von PRP siehe unten). PRP wird zur Verjüngung und Zell-Regeneration verschiedenster Körpergewebe genutzt – je nach Anwendungsart unter Zusatz von Medikamenten uä. Die aktivierten Zellen in PRP werden verarbeitet, eingespritzt oder einmassiert und sorgen an Haut, Bindegewebe, Narben, Muskeln, Gelenken und Haarwurzeln für eine Regeneration und Neubelebung, eine sog. autologe Zellregeneration. Viele Ideen und Techniken der PRP Entwicklung stammen aus der Stammzellforschung.

 

Geschichte

Die Möglichkeit, Wunddefekte mit PRP zu behandeln, wurde schon in den frühen 1960er-Jahren beschrieben. International fanden diese Arbeiten jedoch zunächst nur wenig Beachtung, sodass die Erkenntnisse erst ab etwa 1997 praktisch zum Einsatz kamen, nachdem erstmals ein Verfahren zur Herstellung von PRP veröffentlicht wurde. Bereits 1998 erschien dann die erste klinische Studie zur Anwendung von PRP an Patienten in der Kieferchirurgie.

Heute wird PRP in vielen Bereichen eingesetzt, vor allem in der Zahn-, Mund- und Kieferchirurgie, der Herz- Thorax- und Gefäßchirurgie, der Orthopädie sowie der plastischen Chirurgie. Auch zur Behandlung diabetischer Wunden wird es verwendet.

Wirkungsweise und Anwendungsbereiche

Blutplättchen (auch Thrombozyten genannt) sind die kleinsten Zellen des Blutes und reich an verschiedenen Wachstumsfaktoren. Diese lassen sich durch eine physiologische oder künstliche hervorgerufene Aktivierung freisetzen und regenerieren so das Gewebe. Das ist vor allem bei gestörter Wundheilung sinnvoll, etwa bei  Wunden oder großen Operationswunden.

Mit PRP lässt sich auch die Wirksamkeit einer Mesotherapie steigern, sodass oft weniger Behandlungen erforderlich sind. Zudem ist PRP gut verträglich, weil nur körpereigenes Material eingesetzt wird.

PRP wird heute in vielen Bereichen eingesetzt: zur Verschönerung und Regeneration der Haut, als Lifting-Methode, zur Förderung von Haarwachstum, zur Wundheilung, in der Orthopädie und Sportmedizin…

Ich bevorzuge Arthrose Behandlung Narben, Faltenbehandlung in  Gesicht, Hals, Dekolletee und Kopfhaut. Prinzipiell können wir damit aber fast jedes alternde Gewebe regenerieren.

  • Gesicht: PRP intradermal zur Faltenunterspritzung, PRP Therapie zum Volumenaufbau

  • Hals: PRP für Faltenunterspritzung

  • Handrücken: PRP zur Verjüngung

  • Dekolletee: Plasmaliftung und PRP zur Hautstraffung, Faltenreduktion (ähnlich Vampirlifting)

  • Kopfhaut: PRP für Haarwachstum, Regeneration, Dickenwachstum der Haare, intradermale PRP Injektion (näheres zu PRP und Haarausfall siehe dort)

  • Striae, Schwangerschaftsstreifen, Stretchmarks: PRP zur Hautstraffung und Regeneration (ev in Kombination mit Laser, Needling) zur Verbesserung der Striae

  • Operationsnarben: PRP zur Narbenverbesserung, Wundheilung

  • Aknenarben: PRP zur Narbenglättung, PRP zur Hautstraffung und zur Hautglättung

 

Es gibt auch zahlreiche kurative Bereiche, in denen sich Eigenblut/PRP erfolgreich bewährt:

  • Allergien

  • Arthrose

  • Achillessehnenschmerzen

  • Außenbandrisse (Fuß)

  • Bandscheibenvorfall, Bandscheibenprotrusion

  • Bizepssehnenscheidenentzündung

  • Fersensporn

  • Tennis- und Golferellenbogen

  • Gicht

  • Muskelzerrungen, Muskelfaserrisse

  • Meniskus Beschwerden

  • Osteoporose

  • Patellarsehnen Entzündung

  • Psoriasis

  • Rotatorenmanschettenruptur

  • Rheuma

  • Sehnenscheidenentzündungen

  • Seitenbandanrisse (Knie)

  • schlecht heilenden Wunden

  • Schleimbeutelentzündungen

  • Schulterschmerzen

  • Schuppenflechte

 

PRP und Frischzellentherapie

Ein Vorläufer der PRP war die Frischzellentherapie. Bis in die 80iger Jahre wurde mit – unzureichenden – Methoden versucht, tierische Wachstumsfaktoren und Stammzellen zur Krebstherapie und Regeneration zu nutzen. Damals ließen sich zahlreiche Promis, von Pabst Pius XII, dem japanischen, saudischen und äthiopischen Kaiser, bis zu Charlie Chaplin, Kanzler Konrad Adenauer und Fussballnationaltrainer Helmut Schön behandeln. Wir arbeiten heute natürlich nicht mehr mit problematischen Frischzellen aus Schafen, sondern mit patienteneigenen Zellen, sodass Gefahren nicht mehr bestehen.

 

PRP und Doping

PRP wird in der Sportmedizin und Orthopädie seit Jahren zur Regeneration verwendet. Man schätzt, dass etwa die Hälfte aller Fussball- und Basketballvereine der Bundesliga mit PRP arbeiten, um die Regenerationszeiten der Stars nach Verletzungen zu verkürzen.  Zwar war PRP bis 2011 als Doping verboten und ist in der Sportmedizin deshalb bis heute umstritten. Grund: die Dopingfahnder können natürliches PRP und künstliche Wachstumsfaktoren nicht unterscheiden. In der Sportmedizin ist die leistungs- und regenerationsfördernde Wirkung von PRP und Eigenblut kaum umstritten.

 

Risiken und Nebenwirkungen von PRP

Die Risiken der Behandlung sind sehr gering, da ja mit dem eigenen Blut behandelt wird. Kleine Blutergüsse, Rötungen und Schwellungen sind selten möglich. Natürlich spürt man das Piksen der Injektionsnadel, sie ist aber kaum schmerzhaft.   Kontraindikationen: wann ist PRP nicht möglich? Krankheiten, die durch Blut übertragen werden, sprechen gegen PRP; wir führen zur Sicherheit kein PRP bei Hepatitis, HIV uä durch. Schwangere sollten nicht behandelt werden. Bei Neurodermitis oder Schuppenflechte im Gesicht, generell bei allen akuten oder infizierten Hautkrankheiten, sollte man sehr vorsichtig sein. Auch Störungen der Blutgerinnung, Autoimmerkrankungen, Leberkrankheiten, Krebs sprechen eher dagegen. Mindestens drei Tage vor der PRP Behandlung (besser 7-10 Tage) sollten Sie keinesfalls Aspirin, ASS, Volaren, Ibuprofen oder ähnliche Schmerz- und Rheumamittel (NSAID) einnehmen, da diese die Vitalität der Blutplättchen hemmen.

Durchführung PRP

Für die Herstellung von PRP wird eine kleine Menge Blut aus der Vene entnommen und mit einem speziellen Zentrifuge Verfahren aufbereitet. Dabei trennt der Arzt die roten Blutkörperchen vom Blutplasma. Der wirksame Teil wird für PRP entnommen. Dann kann PRP in reiner Form oder vermischt mit Medikamenten oder auch Hyaluron mit feinsten Nadeln eingespritzt werden. Die Behandlung dauert einschliesslich der Blutentnahme, Aufbereitung und Behandlung etwa 45 Minuten.

PRP, seine Wachstumsfaktoren und Stammzellen regen die Zellerneuerung, Wundheilung und Regeneration verbrauchter, alter Zellen sehr stark an. Fahle Haut und Falten verjüngen sich durch PRP. Hauttonus, Farbe und Straffheit werden verbessert – eine Verjüngungskur mit körpereigenen Blutfaktoren aus PRP. Bei der Faltenbehandlung und dem Vampirlifting kann man das PRP mit Hyaluron und straffenden Substanzen kombinieren – der Fülleffekt ist dann stärker, die Verträglichkeit besser und die Wirksamkeit länger. Unmittelbar nach der Behandlung bemerkt man bereits eine leichte Schwellung und Straffung der Haut. In den Tagen und Wochen danach entfalten die Wachstumsfaktoren aus PRP ihre biologische Wirkung zur Kräftigung der Haut und des umgebenden Gewebes. Der Erfolg jeder PRP Therapie steigt mit der Zahl der Anwendungen, ist nach einigen Wochen am stärksten und hält bis zu 18 Monaten an.  Eine Auffrischung durch PRP einmal jährlich stabilisiert und verstärkt den Erfolg.

Der Patient sollte mindestens 3, besser 7 Tage vor der Behandlung keine Schmerz- und Rheumamittel einnehmen, um die Vitalität der Blutplättchen nicht zu beeinträchtigen. Kurz vor der Behandlung sollte zudem auf Saunagänge, Sonnenbaden und Schminken verzichtet werden.

Die Behandlung wird 3-4 Mal im Abstand von jeweils einer Woche wiederholt.

Risiken und Nebenwirkungen treten kaum auf. Vereinzelt kann es an der Einstichstelle zu Hautausschlägen, Juckreiz oder Blutergüssen kommen.

Nicht anzuwenden ist PRP, falls der Patient unter einer Erkrankung leidet, die durch Blut übertragbar ist (z. B. HIV oder Hepatitis). Gleiches gilt für alle akuten oder ansteckenden Hautkrankheiten, für Blutgerinnungsstörungen, Lebererkrankungen und Krebs. Auch während der Schwangerschaft sollte PRP nicht als Therapie verwendet werden.

 

Wissenschaftlicher Hintergrund von PRP

Viele Alterungsprozesse und Krankheiten entstehen dadurch, dass der Körper absterbende oder kranke Zellen überhaupt nicht mehr oder nicht schnell genug ersetzen kann. Im Alters schwinden natürlicherweise die Selbstheilungskräfte – Wunden verheilen langsamer, Haare fallen aus, das Gesicht verliert an Volumen, sackt nach unten und wirkt hagerer. Wissenschaftler versuchen seit langem, diese Prozesse durch körpereigene Wachstumsfaktoren und sogenannte Stammzellen zu heilen; das sind „ursprüngliche“ Zellen, die sich zu fast jeder anderen, „reifen“ Zelle weiterentwickeln können. Embryonen bestehen nur aus solchen Stammzellen. Man entdeckte diese heilenden Wunderzellen auch im eigenen Fett und im Blutserum. Blutplättchen können eine ähnliche Wirkung haben. Sie entfalten diese Wirkung bei der Heilung von Wunden und Blutungen im Körper, sind aber im Blut nur in geringen Mengen vorhanden. Es gelang, diese Zellen konzentriert aus dem Blut zu gewinnen – im PRP.

Folgende Wachstumsfaktoren sind z.a. in PRP nachweisbar:

  • TGF-beta : fördert Zellwachstum, Gefässneubildung, extrazelluläre Matrix-Bildung

  • PDGF-AB: stimultiert Zellwachtum, Fibroblasten-Chemotaxis

  • bFGF: regt Fibroblasten an

  • IGF: fördert Kollagensynthese, Zellproliferation, Fibroblastenmigration

  • VEGF: stimuliert Endothelzellproliferation und Migration

  • EGF: fördert Angioneogenese, reguliert extrazelluläre Matrixregeneration, stimuliert Fibroblastenmigration und Regeneration

Die FDA (amerikanische Gesundheitsbehörde) verlangt vor der Zulassung eines PRP-Kits einen Wirkungs- bzw Vitalitätsnachweis ((Express P-selectin upon specific ADP stimulation; resist to hypotonic stress; aggregate in response to collagen). Nach der Injektion wirken unmittelbar die vitalen Wachstumsfaktoren. Die konzentrierten Blutplättchen bilden jedoch weitere 7 Tage neue Wachstumsfaktoren. Sie werden nach ihrem Absterben von Fresszellen (Makrophagen) ersetzt, die ähnliche Funktionen wahrnehmen.

Wenn Blutplättchen zB durch Wunden aktiviert werden, führt die Freisetzung von ihnen zu einer direkten und indirekten Regeneration des Gewebes und zur Wundheilung. Sie locken auch andere Zellen an, zB Fibroblasten, mesenchymale Stammzellen und Leukozyten. Auch sie dienen der Heilung und Regeneration. Neues Kollagen, Elastin, neue Blutgefässe und junge Zellen entstehen.

 

Wissenschaftliche Studien zu PRP

Cervelli V et al : The effect of autologous activated platelet rich plasma (AA-PRP) injection on pattern hair loss: clinical and histomorphometric evaluation. Biomed Res Int. 2014; 2014: 760709

Fabi S et al: The potential of topical and injectable growth factors and cytokines for skin rejuvenation. Facial Plast Surg 2014, April; 30(2): 157-71

Marx RE: Platelet rich plasma:evidende to support its use. J Oral Maxillofac Surg 2004, 62: 489-496

Nofal E et al: Platelet-rich plasma versus Cross technique wits 100% trichloroacetic acid versus combined skin needling and platelet-rich plasma in the treatment of atrophic acne scars: a comparative study. Dermatol Surg 2014, Aug; 40(8): 864-73

Ramos-Torrecillas J et al: Human fibroblast-like cultures in the presence of platelet-rich plasma as a single growth factor source: clinical implications. Adv Skin Wound Care Mar 2014, 27(3): 114-20

Schiavone G et al: Platelet-rich plasma form androgenetic alopecia: a pilot study.  J Dermatol Surg 2014; 40(9): 1010-1019

Yuksel EP et al: Evaluation of effects of platelet-rich plasma on human facial skin. J Cosmet Laser Th 2014, Oct; 16(5): 206-8

Zheng Jun LI, MS et al: Autologous platelet-rich plasma: a potential therapeutic tool for promoting hair growth. Dermatolog Surg 2012 :1-7

 

Kosten PRP

Eine PRP – Behandlung kostet bei uns zwischen 250,00 – 350,00 Euro. Die Kosten sind davon abhängig, welche Mengen von PRP gewonnen werden, wie umfangreich die Behandlung ist, welche Zusatzstoffe verwendet werden usw.  Der komplette Behandlungszyklus besteht meist aus 3 Behandlungen PRP. Danach reicht i.a. 1 Behandlung jährlich aus, um den Erfolg zu bewahren und zu stabilisieren. Faltenvorbeugung mit PRP ist ebenfalls sehr effektiv damit möglich; dabei genügt eine einmalige jährliche Behandlung ab Mitte 20. Frauen und Männer ab 45 kombinieren die Behandlung meist mit anderen Treatments, zB dem Hyaluron Unterspritzung. Der Verjüngungs- und Straffungseffekt ist dann rascher und noch stärker sichtbar. Viele Hautschäden, wie  Folgen eines Sonnenbrands, Ekzem, trockene Haut können durch PRP vorbeugend behandelt werden.

 

 

 

Kommentar von Olga Beckmann

 

Eigenblut/PRP ist eine grundlegende Behandlung, die beschädigte Zellen regeneriert und reproduziert. Sie basiert auf dem natürlichen Heilungsprozess des menschlichen Körpers. Ich schätze diese Therapie sehr, da durch die Verwendung von eigenen Blut keine Infektionen, Allergien oder Nebenwirkungen auftreten können. Blutplättchen (Thrombozyten) sind die kleinsten Zellen des Blutes und besitzen in Übermass viele Wachstumsfaktoren. Diese lassen sich durch Aktivierung freisetzen und regenerieren wunderbar das zestörte Milieu. Das ist vor allem bei gestörter Wundheilung, Entzundungen und destruktiven Erkrankungen sinnvoll.

Quellen

  • Schulte, W. V.: Die Eigenblutfüllung: eine neue Methode zur Versorgung größerer Knochendefekte nach intraoralen Eingriffen. In: Deutsche Zahnarztliche Zeitschrift. 12, 1960, S. 910–914.
  • Schulte, W. V.: Die Retraktion des Blutgerinnsels und ihre Bedeutung für die primäre Heilung von Kieferknochen. Carl Hanser Verlag, München 1964.
  • Yamamoto, K., Hayash, J. i, et al: A comparative study of the effect of autologous platelet-rich plasma and fresh autologous whole blood on haemostasis after cardiac surgery. In: Cardiovascular Surgery. 4(1), Febr 1996, S. 9–14.